Jahr: 2014

Madonna Carrara Verkleinerung

Stein – Ein Porträt

Aschau. Es ist grün hier, saftige Wiesen, im Hintergrund die bayerischen Alpen und blauer Himmel. Mir kommt Staub und Kies und Ödnis in den Sinn, meine Vorstellung von einem Steinbruch, die ich heute Morgen noch hatte – welch ein Klischee. Eine steinerne Madonna säumt den Weg zur Terrasse, die einen Einblick in ein helles Wohnzimmer gewährt, gesäumt von einer meterhohen Bücherwand. Ein weiß schimmernder Kopf (eine marmorne 1:1-Nachbildung von Donatellos „Niccolò da Uzzano„) thront auf einem schlichten Holzsockel im Inneren des Raumes. Draußen blicken Steinporträts über die Felder. Für einen Moment bin ich berauscht von der Atmosphäre. Alles wirkt lebendig und warm. Warum verbindet man mit Stein statische Kälte, Unbeweglichkeit und die Farbe Grau? Mit einem Bildhauer einen grobschlächtigen großen Mann mit dicken schwieligen Händen? Meine eigene Fehleinschätzung überrascht mich, als Herr Söllner mich auf seiner Terrasse begrüßt. Wir setzen uns an einen großen Tisch, der Künstler zündet eine Zigarette an und lehnt sich entspannt zurück. Während des Gesprächs zieht er mehrmals die Beine hoch und setzt sich im Schneidersitz hin. Ein absolut lockerer Typ. …

Heute

wach sein. einschlafen nur unter vorbehalt. lieber leben und es feiern. auf dass ich nach getaner arbeit die füße hoch in den himmel lege.

Gift

Es kam mit der Morgenpost: ein ganz normal aussehendes Paket in braunem Packpapier und verschnürt mit derber Doppelschnur. Es unterschied sich in nichts von den Tausenden anderer Pakete, wie sie die Postboten tagtäglich austragen. Mit diesem aber hatte es eine besondere Bewandtnis – eine ganz besondere … Er wusste es, noch bevor er den Karton entgegennahm. Langsam drehte er den schlichten Karton in den Händen, fand jedoch wie erwartet keinen Absender. Nur seine eigene Adresse in einer etwas kindlich wirkenden Handschrift. Dr. Ratt war kein Mann für Überraschungen, hasste sie bisweilen sogar. Aber er war neugierig, nach den seltsamen Ereignissen der letzten Zeit erst recht. Seine Hände zitterten und sein Puls raste. Lass es, sagte ihm sein Verstand, aber er wollte es jetzt wissen. Wie ein Schaulustiger in seinem eigenen Leben sah er sich selbst dabei zu, wie er die Doppelschnur vorsichtig auseinanderzog. So, als handele es sich um ein wertvolles und lang ersehntes Geschenk. Dabei war es alles andere als das. Als er die Seiten umklappte und die schwarze Plastiktüte öffnete, schlug ihm ein …